Fleischfressende Pflanzen, Karnivoren, Insektivoren

Definition fleischfressende Pflanze

Als fleischfressende Pflanze, auch Karnivoren oder Insektivoren, werden im allgemeinen Pflanzen bezeichnet, die durch morphologische und physiologische Anpassungen in der Lage sind, Beutetiere anzulocken, zu fangen und deren Nährstoffe für den eigenen Stoffwechsel zu nutzen. Also Pflanzen die mittels speziell entwickelter Mechanismen Insekten, Spinnen und mitunter Kleintiere wie Frösche oder mause, fangen, festhalten und verdauen können, um so ihre Versorgung mit benötigten Nährstoffen zu verbessern.

Drosera Capensis Dies klingt zuerst zwar recht eindeutig, ist es aber nicht immer. Es gibt viele Pflanzen, bei denen es nicht ganz klar ist, ob man sie zu den fleischfressenden Pflanzen zählen kann oder nicht. So fehlen einigen Arten Enzyme, um die Nährstoffe, der von ihnen gefangenen Beutetiere aufzuschließen und verdauen zu können.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie die Nährstoffe gar nicht nutzen können. Die Pflanzen sind über Umwege in der Lage, die enthaltenen Nährstoffe für sich aufzuschließen und zu verarbeiten. Zum Beispiel durch die Bildung von Symbiosen mit anderen Lebewesen. Das Verdauen der Beute wird z. B. bei den Sarracenia Arten (Schlauchpflanzen) von Bakterien die in den Schläuchen der Pflanze leben übernommen. Die Bakterien zersetzen das Opfer und die Pflanze kann die frei gewordenen Nährstoffe aufnehmen.

Einen anderen weg gehen Arten der Gattungen Roridula (Wanzenpflanzen). Auf den Pflanzen, die ihre Beute mit Klebefallen fangen, leben kleine Wanzen und Spinnen, die sich auf die Pflanze spezialisiert haben und nur dort anzutreffen sind. Die Wanzen und Spinnen ernähren sich von den Opfern, die von der Roridula Pflanze mit ihren Klebetentakeln gefangen werden, und verdauen diese. Die Ausscheidungen der Wanzen wiederum kann die Roridula Pflanze über die Blätter aufnehmen. Sie profitiert also indirekt am fang von Beutetieren.
Es ist manchmal eine Frage der Definition bzw. Auslegung vorhandener Mechanismen und Methoden, ob man eine Pflanze als karnivor, prä-karnivor oder doch nur als “normale” Pflanze bezeichnen kann oder nicht.

Karnivore Pflanzen findet man in verschiedenen Pflanzenfamilien der Blütenpflanzen, demzufolge hat sich die Fähigkeit, tierische Organismen zu fangen und deren Nährstoffe zu verwerten, mehrmals unabhängig voneinander in der Evolution entwickelt. Die Anpassungen fleischfressender Pflanzen sind sehr vielfältig, wie man schon leicht an dem unterschiedlichen Fallen mit dem bloßen Auge erkennen kann. Zur Lösung ähnlicher Probleme entstanden in der Evolution unterschiedliche morphologische Anpassungen.

Schlauchpflanze Die Ausbildung von Fangblättern ist für eine Pflanze recht anstrengend, die Fangblätter sind oft viel schlechter zur Fotosynthese geeignet sind als normale Blätter gewöhnlicher Pflanzen. Die meisten karnivoren und prä-karnivoren Pflanzen wachsen daher eher langsam.
Sie sind daher nur an Orten konkurrenzfähig und überlebensfähig, wo andere Pflanzen durch einen Mangel an Nährstoffen nicht oder nur sehr schwer überleben können, die Karnivoren Pflanzen können den Mangel an Nährstoffen im Boden durch den fang von Insekten ausgleichen.
Der Tier oder Insektenfang ist für die Pflanzen nicht lebensnotwendig, sie überleben auch ohne die Zusatznahrung. Man hat aber herausgefunden, dass die Pflanzen durch die zusätzlichen Nährstoffe aus den angelockten und eingefangenen Tieren, wachs- und blühfreudiger sind.